Wie ich meinen Darm geheilt habe – Reizdarm adé

Wir glauben, dass wir sind, was wir essen. Aber wir irren uns. Vielmehr sind wir, was wir verdauen bzw. absorbieren. 80% unseres Immunsystems liegt im Darm. Ich habe selbst mitgemacht, dass durch eine gestörte Darmflora (bzw. Verdauung) auch zu einer Störung der Aufnahme wichtiger Nahrungsbestandteile – Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe – führt. Meine Darmgesundheit hat durch die Dinge, die ich an meiner Ernährung, meiner Bewegung und meiner Psyche geändert habe, eine 360-Grad-Wende gemacht und so auch mein Wohlbefinden. Heute teile ich mit euch was mir wirklich geholfen hat – mittlerweile bin ich wirklich Expertin auf dem Gebiet Darm(gesundheit) und Verdauung.

Am schönsten finde ich es dann, wenn ich Workshops begleite, die genau diese Themen aufgreifen und vertiefen, so wie der Feel Good Frucht Workshop, initiiert von Kalifornische Trockenpflaumen, in Köln vor zwei Wochen.

Feel Good Workshop, Köln

Felix Klemme, Autor und Sportwissenschaftler, war vor Ort und hat einen wunderbaren Workshop über Ernährung und Bewegung, Körper und Geist gehalten. Dabei aber nicht langweilige Basics von Makronährstoffen und gesunder Bewegung, die wir, oder die meisten, schon kennen, sondern aktuelle Studien aufgegriffen, und ist dabei auch auf die Bedeutung von Stress für unseren Hormonhaushalt und die Verdauung eingegangen. Zusammen mit ihm habe ich die Themen Darmgesundheit und Intoleranzen diskutiert – da ich solch einen persönlichen Bezug zu den Themen habe. Lange litt ich an Reizdarmsymptomen, die anfingen, als ich auf Reisen das Leitungswasser in Nicaragua trank. Sie kamen also nicht irgendwo her, sondern von Bakterien und Keimen im Wasser. Jedoch war das für mich nur das, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat und dazu geführt hat, dass ich mich eingehend mit Probiotika, Fermentation, der Verdauung, meinem Verhalten und meiner Ernährung beschäftigt habe. Und letztendlich habe ich es geschafft, meinen Darm zu heilen. Wie? Das möchte ich mit euch teilen, da ich weiß, dass es unserer Verdauung auch ohne dreckiges Leitungswasser schlecht gehen kann – durch unser Essverhalten, und unsere Angewohnheiten. Bauchschmerzen, Durchfall, Krämpfe, Blähbauch – ich bekomm das nicht nur von Freunden im Umfeld, sondern auch von euch mit. Täglich bekomme ich von euch Fragen dazu und erst gestern eine E-Mail, die ich mit euch teilen möchte:

[…] Ich habe noch leicht mit einer Essstörung zu kämpfen (war bis vor kurzem in klinischer Behandlung). Ich komme zwar immer besser zurecht,  was das Essen betrifft, aber von Abführmitteln komme ich einfach nicht weg. Ich hatte diese stark missbraucht und […] ich habe so Angst,  da mir bewusst ist, wie wichtig ein gesunder Darm für uns ist. Ich möchte unbedingt davon wegkommen und meinen Darm pflegen und heilen, aber weiß nicht wie. Kannst du mir weiterhelfen?

Hier also meine Tipps: Vermeidet Antibiotika, vermeidet Abführmittel. Wenn ihr glaubt, mit letzteren etwas zu erzielen, dann nur kurzfristig, denn auf lange Sicht schadet ihr euch und eurer Gesundheit, weil sie den Darm in seiner Eigenleistung verschlechtern. Ärzte sind schnell darin, Reizdarm zu diagnostizieren. Nehmt aber nicht einfach Antibiotika ein, sondern fangt bei den Ursachen an. Wir können unsere Darmgesundheit so stark durch unsere Ernährung beeinflussen. Aber unsere Psyche, Stress und Ärger beeinflussen unseren Darm genauso.

Also hier kurz und knapp, was mir wirklich geholfen hat. Dies alles ist meine Erfahrung, also bitte respektvoll eure teilen, wenn ihr etwas anders seht.

Was ich weggelassen habe: Milchprodukte. Damals habe ich noch Fleisch und Milchprodukte gegessen, die ich dann von einem auf den anderen Tag komplett gestrichen habe. Weizenprodukte. Ich habe eine klare Verbindung zwischen diesen Lebensmitteln und meinem Wohlbefinden ausmachen können und seitdem geht es mir so viel besser. Aber auch durch die Dinge, die ich gemacht habe.
Und falls ihr Kaugummi kaut, lasst auch das weg. Auch Felix hat noch einmal den Zusammenhang zwischen Kaugummi und Verdauungsproblemen verdeutlicht: Durch das Kauen werden physische Signale an den Körper weitergeleitet, dass eine Nahrungszufuhr erfolgt. Dadurch werden die entsprechenden Enzyme und Säuren freigesetzt, aber nicht genutzt, da ja keine Nahrung kommt – wodurch zu viel Magensäure produziert wird und Blähungen entstehen.

Was ich in meine Ernährung integriert habe: Warmes Ingwerwasser/Tee täglich. Flohsamenschalen – 1 TL im Joghurt oder im Oatmeal quellen lassen. Sie binden Wasser im Darm, verdicken den Darminhalt und wirken so gegen Durchfall. Hochwertige Probiotika. Bananenbrot. Kein Scherz. Mit Chiasamen. Ballaststoffe sind fester Bestandteil meiner Ernährung geworden. So wirklich täglich Nüsse und Samen. Am liebsten gekeimt, für eine noch bessere Verdauung. Aber auch Trockenfrüchte. Wenn ich ehrlich bin vor dem Workshop noch keine Trockenpflaumen, denn die schienen mir einfach nicht so attraktiv – kannte ich eher von Oma. Wer noch? Und ich hatte keine Rezeptideen. Jetzt schon. Und jetzt nutze ich sie seit zwei Wochen überall dort, wo ich vorher Datteln zum Süßen benutzt habe. Sie enthalten nämlich viel weniger Zucker (38g/100g) als Datteln (70g/100g), sind ballaststoffreich (7,1g Ballaststoffe auf 100g Pflaumen) und sind eine sehr gute Quelle für Vitamin K, Kalium, Vitamin B6 und Kupfer.

Psyche. Was ich verändert habe: Unterschätzt den seelischen Einfluss nicht. Körper und Seele gehören zusammen – sind eine Einheit. Gerade beim Reizdarm. Ich habe angefangen, bewusst zu essen. Richtig gekaut. Habe mich wieder mit meinem Körper verbunden. Dauerhaft in Deep Squat sitzen. Nicht auf Stühlen, sondern auf dem Boden in der Hocke, auch unterwegs (wer meine Stories schaut, weiß, dass ich auch im Zug so fahre – no shame). Bei Bauchschmerzen den Oberkörper nach vorne lehnen, Wärme (z.B. Wärmflasche) auf den Bauch. Für zu Hause: Einen Schemel (Hocker) vor die Toilette. Wir sollten einfach auch – bzw. besonders – auf der Toilette in der Hocke sitzen, im 35°-Winkel, können wir unseren Darm vollständig und ganz entspannt entleeren!

Zu Rezeptideen: Wenn nicht einfach pur, liebe ich Nüsse und Trockenfrüchte in Energiekugeln. Mein Körper kann viele Ballaststoffe mittlerweile super verdauen, das ist tatsächlich Gewöhnung. Auf dem Feel Good Workshop haben wir Rezepte mit den Kalifornischen Trockenpflaumen entwickelt, und hier ist mein Liebstes:

Energiekugeln
100g Haferflocken
75g Apfelringe (also Trockenäpfel)
75g Trockenpflaumen
2 TL Ceylon-Zimt
etwas Wasser
Kokosraspeln

Alle Zutaten im Mixer pürieren, Kugeln formen und in Kokosraspeln rollen.
Lasst es euch schmecken und gebt mir gern Rückmeldung zu meinen ehrlichen Tipps.

Apfelringe und kalifornische Trockenpflaumen für die Energiekugeln

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Folge:

7 Kommentare

  1. Lisa
    Mai 12, 2019 / 9:29 pm

    Also, ich mag dich sehr gerne. Aber ich kann diesen post teils gar nicht unterschreiben. Und als angehende Ärztin mag ich betonen, dass Ärzte bei reizdarm zunächst keinerlei Medikamente verschreiben, wenn dann erstmal
    Probiotica und evt Spasmolytika, wenn der Patient unter Krämpfen leidet. Ich musste selbst erleben, dass man manchmal Ballaststoffe komplett runter fahren muss, um sie danach wieder zu integrieren. Kein Arzt würde bei Reizdarm Antibiotika verschreiben oder ein Sammelsurium an Tabletten !! Außer vielleicht ein sehr schlechter.

    • Alexa
      Autor
      Mai 20, 2019 / 7:56 pm

      Hey Lisa, im Fach kennst du dich als angehende Ärztin wahrscheinlich besser aus, das glaub ich dir! Wahrscheinlich bestätigt hier die Ausnahme die Regel, ich habe lediglich meine persönliche Erfahrung beschrieben.

  2. Britta
    Mai 13, 2019 / 11:52 am

    Danke liebe Alexa für den wertvollen Beitrag!
    Vielen Menschen ist gar nicht bewusst was sie ihrem Körper Gutes tun können indem sie nur ein bisschen auf die Ernährung und die Dinge drum herum achten.

    Ich selbst bin jetzt 29 und habe seit ich denken kann Bauchschmerzen. War deswegen als Kind auch schon in der Klinik und auch öfter beim Arzt, hatte Darm- und Magenspiegelungen, habe Medikamente bei Magenschleimhautentzündungen genommen usw.. Nichts hat geholfen. Was mir selbst schon als Kind klar war, ist, dass ich Milchprodukte in großen Mengen überhaupt nicht vertrage. Ich hatte dann immer eine bestimmte Art von Bauchschmerzen (kann meine Bauchschmerzen in verschiedene Schmerzcharakteristika einteilen) und Übelkeit. Somit habe ich als Kind schon weniger Milchprodukte konsumiert als Gleichaltrige. Dann wurde irgendwann auch noch eine Magenschleimhautentzündung festgestellt, weshalb ich häufig starke Magenschmerzen, welche in Unterbauchschmerzen übergingen, hatte. Außerdem hatte ich auch immer mit Verstopfung zu kämpfen. Mein Papa hat Morbus Crohn, eine schwere chronische entzündliche Darmerkrankung. Das ist es bei mir zum Glück nicht!
    Da ich nicht ständig Medikamente nehmen wollte gegen die Gastritis und mir schon Ärzte und Apotheker davon abgeraten haben, habe ich versucht mich mehr mit meiner Ernährung auseinanderzusetzen. Ärzte konnten mir leider nicht helfen und haben immer von Reizdarm gesprochen..
    Für mich habe ich erkannt, dass ich Kaffee so gar nicht vertrage. Die Säure löst bei mir diese Gastritis aus, deshalb gibt es für mich keinen Kaffee mehr, stattdessen Schwarzen Tee, wobei man auch da vorsichtig sein muss, da auch Schwarzer Tee ordentlich Magenschmerzen auslösen kann. Alternativ trinke ich dann gerne Grünen Tee oder Ingwertee. Außerdem esse ich jeden Tag, bevor ich etwas anderes esse, eine Banane. Die schleimige Konsistenz legt sich schützend auf die entzündete Magenschleimhaut und macht sie so weniger angreifbar.
    Abends trinke ich gerne, zur Förderung der Darmaktivität, ein Glas lauwarmes Wasser und löse darin goldene Leinsamen auf (alternativ gehen auch Chiasamen oder wie du sagst, Flohsamen). Außerdem musste ich leider fast ganz Zwiebeln, Knoblauch und zwiebel- und knoblauchartiges von meinem Speiseplan verbannen (davon bekomme ich nicht nur einen unglaublichen Blähbauch und Bauchkrämpfe, sondern auch eine Verstopfung über Tage). Milchprodukte habe ich stark reduziert und esse sie nur gelegentlich. Fleisch gibt es bei mir seit ca. drei Jahren gar nicht mehr, das aber hauptsächlich aus Liebe zum Tier und der Umwelt. Merke aber auch einen positiven Unterschied in der Verdauung und im Wohlbefinden.
    Was mir besonders hilft, ist die Bewegung. Bewegung ist das A und O! Ich fahre täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und mache auch Yoga/-Fitness. Seitdem geht es mir wesentlich besser.
    Wie du schon gesagt hast, ist die psychische Gesundheit auch ein ganz großer Aspekt. Ich wohne in München und aktuell haben wir seit ungefähr zwei bis drei Wochen unglaublich viel Regen und kalte Tage. Mir fehlt die Sonne. Die Sonne wirkt sich unglaublich positiv auf meinen Gemütszustand und mein allgemeines Wohlbefinden und somit auch auf meine Darmgesundheit aus.
    Leider ist es nicht immer gut und auch gerade wieder habe ich Magenschmerzen und mit einer leichten Verstopfung zu kämpfen, versuche aber schon dagegen anzugehen :-).

    Sodala, so viel zu mir und das war wirklich viel, haha!
    Danke nochmal für deinen tollen Beitrag! Einen wunderschönen Tag und bis bald, hier oder auf Instagram.

    Britta xx

  3. Mai 14, 2019 / 7:54 am

    Hallo Alexa,
    vielen Dank für den tollen Blogartikel! Du hast da wirklich ein super wichtiges Thema angesprochen. In meiner Jugend wurde auch das Reizdarmsyndron diagnostiziert und ich wurde damals mit unmengen an Medikamenten behandelt… sogar mit Antidepressiva. Bis ich beschlossen habe das alleine ohne jegliche Hilfe in die Hand zu nehmen und meine Ernährung umgestellt habe. Da ich zuerst erfolge gemacht habe (mit mehr Gemüse und weniger von allem anderen) bin ich in eine Essstörung gerutscht und mein Reizdarm wurde wieder schlimmer. Bis ich dann vor einigen Jahren herausgefunden habe, dass nicht die Menge an Lebensmittel mein Reizdarm verbessert, sondern was ich esse und wann. Inzwischen lebe ich vegan, esse wirklich unglaublich viel :D, meditiere, höre auf meinen Körper und mache Pausen wenn er sie braucht, mache Yoga und gehe suuuuuuuper viel spazieren. Mein Reizdarm meldet sich so gut wie gar nicht mehr, außer in stressigen Zeiten oder wenn ich verreise.
    Hast du noch Tipps wie man mit einem Reizdarm beim Reisen am Besten umgeht? Da bin ich noch etwas überfordert ansonsten fühle ich mich echt geheilt.
    Ach und vielen Dank für den Tipps mit den Trockenpflaumen! Die werde ich direkt einmal testen 🙂
    Liebe Grüße
    Laila

  4. Sofia
    Juni 21, 2019 / 1:14 pm

    Es ist irgendwie schön zu sehen, dass auch Leute, die mir immer „Perfekt“ erscheinen, genau die gleichen Probleme wie ich haben/hatten. Weil mir das zeigt, ich bin genau so „Perfekt“ wie du, sie, er, ihr, wir! Ich bin froh, dass deine Darmgesundheit sich gebessert hat, und das, durch so einfache Sachen! Ich werde es probieren!… Isst du eig generell Zucker???

    Liebste Grüße

    Sofia

    • Alexa
      Autor
      Juni 21, 2019 / 4:26 pm

      Hi liebe Sofia, danke für deine Worte. Jede/r von uns hat Sorgen und niemand ist perfekt. 🖤 Meinst du raffinierten Zucker?

  5. Anna
    Juli 23, 2019 / 1:02 pm

    Ich bin durch deinen Podcast auf dich aufmerksam geworden. Und ich lieeebe deine ehrliche und offene Art über ‚tabutisierte‘ Themen. 🙂
    Und der Tipp mit dem Hocker vor die Toilette stellen ist mein Liebster. 😀 Habe vor einigen Jahren das Buch ‚Darm mit Charm‘ gelesen und haben unseren Kinderhocker daraufhin sofort ins Bad gestellt. 😛
    Manche finden solche Themen vielleicht befremdlich, aber es gehört doch, wie alles andere zu uns dazu.
    Ganz liebe Grüße und danke für deine tolle Arbeit. <3

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